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Fallstudie · Digitale Identität

Immobilien eine Studie

Der Verkauf endet nicht auf der Website. Er beginnt dort. Eine Studie darüber, was ein Maklerauftritt leisten muss, wenn am Ende ein Notartermin steht — und warum das keine Design-Frage ist.

Muster · nicht veröffentlichtJuli 2026Studie, kein Kundenprojekt
01

Ausgangslage

Eine fremde Branche. Dieselbe Frage.

Maklerauftritte sehen fast alle gleich aus: Objektliste, Fotogalerie, Telefonnummer. Die Anzeige ist der Endpunkt. Nur wird dort nichts verkauft. Zwischen dem ersten Interesse und dem Grundbucheintrag liegen Erstkontakt, KYC, Finanzierungsnachweis, Vertraulichkeitsvereinbarung, Besichtigung, Due Diligence und Transaktionsvorbereitung.

Diese Studie ist als Muster für ein Wiener Gründerzeit-Zinshaus entstanden — Boutiquehotel, Gewerbe und Wohnen unter einem Dach. Sie ist nicht live gegangen und kein Kundenprojekt; sie steht hier, weil sie eine Frage beantwortet, die auch für andere Branchen gilt: Was muss ein Auftritt leisten, wenn der Abschluss woanders stattfindet?

02

Die eigentliche Aufgabe

Nicht das Objekt zeigen. Den Käufer qualifizieren.

Bei einem Zinshaus im zweistelligen Millionenbereich ist der Interessent kein Publikum, sondern eine Gegenpartei. Er will rechnen, prüfen und Risiken sehen — und der Verkäufer will nicht jedem alles zeigen. Der Auftritt muss also zwei Dinge gleichzeitig tun: öffnen und zurückhalten.

Genau das ist eine Transaktionsfrage, keine Design-Frage. Wer zwanzig Jahre M&A gemacht hat, kennt die Architektur: Es ist ein Datenraum mit vorgelagerter Qualifizierung. Ein Zinshaus ist ein Unternehmenskauf mit Mauern.

Daraus folgt der Satz, um den herum alles gebaut ist: Gute Lage erkennt man. Gute Beratung merkt man. Das Erste sieht der Käufer selbst. Das Zweite muss man ihm beweisen — und zwar bevor er anruft.

03

Vier Entscheidungen

Die Struktur kommt aus dem Prozess, nicht aus dem Layout.

01
Der Trichter ist das Produkt
Der Ablauf ist als zehn Schritte ausformuliert — von der Interessensbekundung bis zum Notartermin. Der Übergabepunkt liegt bei Schritt 6: Erst nach KYC, Finanzierungsnachweis und Vertraulichkeitsvereinbarung öffnet sich das volle Exposé. Die Website führt bis dorthin, das Exposé trägt ab dort. Wer den Weg kennt, geht ihn eher.
02
Beratung rechnerisch beweisbar machen
Die Wissensseite ist als Dramaturgie in vier Stufen gebaut: wo (klickbare Österreich-Karte aus echter Geometrie) → wie besteuert (drei Herkunftsperspektiven: als Österreicher, als Deutscher, als Schweizer) → wie strukturiert (Entscheidungsdiagramm Direkterwerb gegen Vehikel, fünf Gesellschaftsformen) → was bleibt. Am Ende steht ein Cockpit mit 16 Reglern, das drei Erwerbsstrukturen nach Steuern nebeneinanderstellt. Aus „gute Beratung merkt man“ wird eine Rechnung, die der Interessent selbst anstellt.
03
Das Exposé ist ein Memorandum, keine Broschüre
34 Abschnitte: Grundbuch mit A-, B- und C-Blatt, Belastungen und Vorkaufsrecht, Mietzinsgrenzen nach dem österreichischen MRG, Flächenwidmung, Bestandsverträge, Gebäudetechnik, Investitionshistorie, Bewilligungsstand, rechtliche Prüfpunkte. Dazu Renditerechnung und Restschuldverlauf über zehn Jahre. Die Fotogalerie ist einer von 34 Abschnitten, nicht der Inhalt.
04
Hülle und Inhalt trennen
Die Website ist die Hülle, das Exposé gehört zum Objekt. Neues Objekt heißt: neuer Kurz-Flyer, neues Exposé — das Design bleibt. Damit ist der Auftritt reproduzierbar statt einmalig, und die Zahlen im Flyer sind exakt dieselben wie im Exposé. Kein Bruch zwischen Kurzfassung und Vollversion.
04

Woran man es sieht

Bausteine, die aus der Transaktion kommen, nicht aus dem Katalog.

01
Nachsteuer-Cockpit
16 Regler, drei Erwerbsstrukturen nebeneinander: Eigenkapital-Rendite, Multiple, kumulierte Steuerlast — und echte Zielkonflikte statt Werbung.
02
Herkunft als Perspektive
Dieselbe Immobilie aus österreichischer, deutscher und Schweizer Sicht. Die Frage „was gilt für mich?“ beantwortet kaum ein lokaler Makler.
03
Transaktionswege
Steuerrecht als Entscheidungsdiagramm — Direkterwerb gegen Vehikel, fünf Gesellschaftsformen. Man sieht die Struktur, statt sie zu lesen.
04
Zehn-Schritte-Ablauf
Von der Interessensbekundung bis ins Grundbuch, mit sichtbarem Übergabepunkt bei Schritt 6.
05
Grundbuch A/B/C
Eigentum, Belastungen, Rechte — inklusive Vorkaufsrecht. Was ein Käufer zuerst wissen will.
06
MRG-Mietzinsgrenzen
Österreichisches Mietrecht mit Optionen und Grenzen — der Punkt, an dem eine Rendite kippen kann.
07
Karte aus echter Geometrie
Neun Bundesländer aus Geodaten projiziert, kein Bild — und läuft trotzdem offline.
08
Alles als Muster gekennzeichnet
Jede Zahl und jeder Rechtstext ausdrücklich indikativ. Wer Substanz zeigt, darf sie nicht behaupten.
05

Was daraus wurde

4
Stufen der Wissensseite
34
Abschnitte im Exposé
10
Schritte bis zum Notar

Vier Website-Varianten mit je fünf Seiten und vier vollständige Muster-Exposés mit je rund 1,4 MB. Darin: das Nachsteuer-Cockpit mit 16 Reglern, ein Entscheidungsdiagramm zu den Erwerbsstrukturen, eine aus Geodaten projizierte Bundesländer-Karte, ein anklickbarer Grundriss, Renditerechnung, Finanzierungsverlauf und Sonnenstandssimulation. Alles handcodiert und offline lauffähig: Doppelklick, kein Server. Entstanden an zwei Tagen. Diese Studie wurde nicht umgesetzt und ist kein Referenzprojekt.

06

Einordnung

Was diese Studie zeigt, ist nicht „ich kann auch Immobilien“. Sie zeigt, dass der Kern derselbe bleibt: Erst verstehen, wie das Geschäft tatsächlich abläuft, dann bauen. Ein Zinshaus-Exposé braucht Grundbuch und Mietrecht, eine Kanzlei braucht Urteilsformate, ein Haus im Wald braucht Zurückhaltung. Die Methode ist jedes Mal dieselbe.

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